Mexikos WM-Plan: Schule während der Fußball-WM auf Eis gelegt
In Mexiko wird die Schule während der Fußball-Weltmeisterschaft für drei Monate pausiert. Was bedeutet das für Schüler, Eltern und die Gesellschaft?
Die Nachricht kam nicht überraschend, die Ankündigung jedoch ließ selbst die skeptischsten Köpfe schmunzeln. In Mexiko wird die Schule für drei Monate während der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft pausiert. Es ist, als hätte jemand beschlossen, dass die Bildung ebenso wenig wichtig ist wie die Frage, ob Ronaldo am Ende seines Karriereplans einen neuen Verein finden wird. Man könnte sich nun fragen, was genau in den Köpfen der Verantwortlichen vorgeht, angesichts dieser durchaus ungewöhnlichen Entscheidung.
Es war ein warmer Abend in Mexiko-Stadt, als ich in einem kleinen Café saß und die Menschen um mich herum beobachtete. Die meisten waren in tiefen Gesprächen über die bevorstehenden Spiele vertieft, während ein paar Kinder aus der Ferne spielten – mit Fußbällen, die wie kleine Weltkugeln bemalt waren. Zu diesem Zeitpunkt war mir bewusst, dass Fußball hier mehr als nur ein Sport ist; es ist eine Leidenschaft, die alles durchdringt. Man kann die Verbindung zwischen dem Volk und dem Spiel förmlich spüren. Es ist diese Leidenschaft, die letztlich zu der Entscheidung geführt hat, die Schulen für die Dauer der WM zu schließen.
Die Idee, die Schultage in den Hintergrund zu rücken, während die Fernseher in den Wohnzimmern der Nation den Bildschirm für unzählige Fußballeuphorien freigeben, mag für Außenstehende grotesk erscheinen. Doch für viele Mexikaner ist dies kein unwichtiger Schachzug. So gibt es Stimmen, die behaupten, dass diese Maßnahme den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit gibt, sich mit der eigenen Kultur und Identität auseinanderzusetzen. Schließlich ist kaum etwas so verbindend wie die Unterstützung der eigenen Nationalmannschaft – ein Phänomen, das über Generationen hinweg Bestand hat.
Aber wie sieht es in der Praxis aus? Während die Kicker auf dem Platz ihre besten Leistungen zeigen, sitzen die Eltern in der Rolle der Geplagten. Es wird zu einem Balanceakt, die Arbeitspflichten mit der unaufhörlichen Anfeuerung der Nachbarschaftsturniere zu vereinen. Viele Eltern stehen vor der Herausforderung, sich während dieser Zeit um ihre Kinder zu kümmern, die zu Hause bleiben und die Schule als „uninteressant“ abstempeln. Wer wollte auch schon mit Geschichtsbüchern an einem halben Schuljahr teilnehmen, wenn gleichzeitig ein Ungeheuer aus der Bundesliga auf dem Bildschirm durch die Abwehrreihen des Gegners dribbelt?
Allerdings stellt sich die Frage, ob das wirklich der richtige Weg ist. Ist es nicht wichtig, auch während einer Fußball-WM gewisse Kontinuitäten aufrechtzuerhalten? Schließlich könnte man sagen, dass die Weltmeisterschaft mittlerweile zu einem Monopol auf den Gedanken der Menschen geworden ist. Ein bisschen mehr Schulbildung könnte demnach dazu beitragen, dass die Kinder nicht nur mit sportlichen Erfolgen aufwachsen, sondern auch mit einem gewissen Maß an Bildung – ein Gedanke, der mit jedem Tor jubelnd in die Ecken der Fanblöcke gepustet werden sollte.
Tatsächlich gibt es auch viele Stimmen im Land, die sich besorgt äußern. Wie wird das in den kommenden Jahren aussehen, wenn andere Sportereignisse ins Haus stehen? Wird der Schulunterricht dann ebenfalls für weitere Monate ausgesetzt? Es gibt so viele Möglichkeiten, wie man über diese Entscheidung diskutieren könnte, dass es beinahe schwindelig wird. Doch das ist vermutlich auch der Punkt: Die Diskussion selbst ist wichtiger als die Lösung, die man vielleicht nie finden wird.
Die Zeit wird zeigen, ob dieser dreimonatige Schulstopp eine positive oder negative Auswirkung auf die Schüler hat. Vielleicht lernen die Kinder, dass es wichtig ist, Begeisterung für etwas zu haben, auch wenn es nicht das schulische Curriculum ist. Oder vielleicht wird der Verzicht auf ein bisschen Bildung in einem selbsternannten „Schuljahr der Familienbande“ eher eine nachhaltige Entfremdung mit sich bringen.
Persönlich habe ich das Gefühl, dass in dieser Entscheidung ein gewisser Charme liegt. Der Versuch, das Unbekannte mit einer Portion Leichtigkeit und einem Augenzwinkern zu betrachten, ist eine beinahe vergessene Kunst in unserer schnellebigen Zeit. Vielleicht ist es am Ende gar nicht so schlimm, wenn die Kinder etwas über die Werte des Fußballs lernen, auch wenn das bedeutet, dass sie dabei auf Mathe und Grammatik verzichten müssen. Als würde man sagen: „Zuerst die Tore, dann die Grammatik." Es bleibt abzuwarten, ob wir in ein paar Jahren mit einer neuen Generation von Fußballbegeisterten konfrontiert werden – und ob sie, während sie jubelnd durch die Straßen ziehen, noch wissen, was die Hauptstadt von Mexiko ist.
Vermutlich gibt es einen Grund, warum Mexiko sich entschieden hat, einen Weg zu gehen, der sowohl für Bildung als auch für Fußball zu stehen scheint: Ein wenig Spaß und Leidenschaft können noch nie schaden, egal in welchem Kontext. Möge das Spiel beginnen!